Hildegard von Bingen Aderlaß und Medizin des Mittelalters für uns Heute?

Quacksalber, Seuchen, Mystik des Mittelalters

nicht alles war schlecht

Quacksalber, Operationen ohne Narkose, Seuchen- die Medizin des Mittelalters lässt viele moderne Menschen schaudern. Doch aktuelle Forschungen zeigen, dass Hildegard von Bingen und andere Heilkundige des Mittelalters auch heute noch gute Dienste leisten könnten.

Hildegard von Bingen war eine Benediktinerin und Mystikerin des Mittelalters. Sie lebte und wirkte im heutigen Rheinland-Pfalz im Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg. Bereits als achtjähriges Mädchen war sie von ihren Eltern dorthin gegeben worden und leitete das Kloster als Äbtissin, bis sie 1036 ein eigenen Kloster auf dem Rupertsberg gründete. Sie erreichte das für damalige Verhältnisse hohe Alter von 81 Jahren und starb 1179.
Schon früh berichtete Hildegard über Visionen, die sie später auch schriftlich festhielt. So nahm sie großen Einfluss auf die Religion, Musik und Philosophie des Mittelalters, aber auch auf die Medizin. Sie war als Heilerin bekannt und wurde bereits zu Lebzeiten als Heilige verehrt. im Jahr 2012 wurde sie schließlich zur Heiligen und auch Kirchenlehrerin ernannt.

"Äußere Schönheit kommt von innen"

oder von innen nach außen

Mit dieser Formel verwies Hildegard auf den Zusammenhang zwischen seelischem Wohlbefinden und körperlicher Gesundheit. Sie erkannte die Bedeutung und Wirksamkeit von Nahrungsmitteln und Heilkräutern. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung war für Hildegard der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden. Einige Nahrungsmittel rückte sie besonders ins Zentrum, so z.B. den Dinkel. Regelmäßiger Verzehr von Dinkel könne, so meinte Hildegard, zur Gesunderhaltung des Menschen beitragen und bei kurmäßiger Anwendung, sogar heilende Kräfte haben. Auch aus heutiger Sicht erscheint das sinnvoll. Dinkel wird auch von Weizenallergikern oft vertragen, besitzt viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Ob Hildegard das wusste? Sie begründete die meisten Aussagen mit göttlichen Visionen- für die Menschen des Mittelalters die leichter verständliche Variante. Ob sie insgeheim aber Forschungen anstellte und die abergläubische Welt des Mittelalters nicht mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen überfordern wollte-schon gar nicht als Frau- das bleibt ihr Geheimnis.

Heute noch wirksam

oft wird das Alte erst spät als gut erkannt

Viele Erkenntnisse der mittelalterlichen Heiler waren lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch moderne Forschungsprojekte zeigen, dass viele natürliche Heilpflanzen und alte Rezepte durchaus ihre Berichtigung hatten. Besonders von Heilpraktikern werden die alten Rezepte wieder verwendet. So empfahl Hildegard zur Förderung der Wundheilung die Ringelblume. Um “ein reines Wissen und einen reinen Verstand” zu fördern, empfahl Hildegard wilden Lavendel. Eine koreanische Studie belegt tatsächlich, dass die Gemütsverfassung von Alzheimerpatienten, die täglich mit Lavendelöl massiert wurden, sich verbesserte.
Ebenso wie Hildegard von Bingen empfahl auch das “Lorscher Arzneibuch” einen Aderlass bei vielen Erkrankungen, bis hin zur Pest. Lange wurde das als kontraproduktiv abgelehnt, weil man meinte, ein Aderlass würde einen ohnehin schwachen Patienten zusätzlich schwächen. Doch heute weiß man, dass Bakterien zur Vermehrung Bluteisen brauchen. Ein Aderlass kann also bei Infektionen den Bakterien tatsächlich den Nährboden entziehen und so helfen. Viele Heilpraktiker führen daher auch heute wieder Aderlässe nach Hildegard von Bingen durch.
Ebenso empfiehlt der Heilpraktiker heutzutage noch das Fasten nach Hildegard von Bingen. Dazu wird unter Anleitung mit Hilfe einer Fastensuppe nach Hildegard von Bingen der Körper entschlackt und entgiftet.

Die Erkenntnisse über Bitter- und Gerbstoffe und andere Inhalte und Wirkungen von Heilpflanzen, wie z.B. der Arnika, werden heute von vielen Heilpraktikern und Ärzten genutzt. Ursprünglich gehen fast alle diese Erkenntnisse auf die Medizin des Mittelalters zurück. Das Johanniskraut findet sich heute in vielen Präparaten und wird vom Heilpraktiker in verschieden Darreichungsformen verwendet, um z.B. depressive Verstimmungen zu lindern. Das Johanniskraut wurde zur Behandlung “geistiger Verwirrung” bereits auch im “Lorscher Arzneibuch” und auch von Hildegard empfohlen. Der moderne Heilpraktiker empfiehlt auch die Blätter der schwarzen Johannisbeere als Teeaufguss, um Entzündungen zu hemmen. Im Mittelalter kannte man die Frucht als “Gichtbeere” und auch die Entscheidung, die Blätter und nicht die Früchte zu verwenden, war Weise, wie heutige Studien belegen, denn dort finden sich eigentlich wirksamen Bestandteile der Pflanze.

Antibiotika des Mittelalters

können diese alte Mittel heute vielleicht helfen

Als Fluch und Segen zugleich haben sich die Antibiotika der Neuzeit erwiesen. Zunächst hochwirksam gegen viele Infektionen haben sie der Menschheit gute Dienste geleistet. Doch immer mehr Bakterienstämme werden resistent gegen die Antibiotika- ein großes und gefährliches Problem. Doch die Heiler des Mittelalters kannten Pflanzen und Rezepturen, die ebenfalls antibiotisch wirken und die modernen Heilpraktiker und teilweise auch Ärzte greifen auf dieses Wissen zunehmend zurück. Ein bekanntes Mittel mit leicht antibiotischer Wirkung ist der Honig. Aber selbst gegen die oftmals resistent gewordenen MRSA-Stämme gab es im Mittelalter eine Paste: englische Forscher kochten eine Paste aus Porree, Knoblauch, Ochsengalle und Weißwein, die im “Bald´s Leechbook”, einem Arzneibuch des englischen Mittelalters, empfohlen wurde zur Behandlung von Gerstenkörnern. Tatsächlich wirkt die Paste gegen viele Bakterien und eben auch gegen die berüchtigten MRSA-Stämme. Allerdings nur, wenn sie genau nach den mittelalterlichen Anweisungen zubereitet wird.
Eine Erklärung dafür haben heute weder Heilpraktiker noch Ärzte. Und auch die Heiler des Mittelalters begründeten ihre Erkenntnisse nur mit Erfahrungswerten oder eben göttlichen Visionen.

Medizin, die schmeckt

Bös muss Bös vertreiben

Während Lebkuchen durch seinen hohen Zimtgehalt im Mittelalter durchaus zu Recht als Medizin verordnet wurde, unterstellte Hildegard dem Ingwer zu Unrecht, er würde nur das Triebhafte im Menschen stärken und ihn gar zu einem “trotteligen Alten” werden lassen. Nicht zuletzt durch die TCM wird der Ingwer heute von Heilpraktikern gegen viele Übel verwendet- und hat selbstverständlichen Einzug in die modernen Küchen Westeuropas gehalten.

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